Warum gerade jetzt die Heizung checken?

Die Heizperiode in Ostwestfalen-Lippe beginnt meist Anfang bis Mitte Oktober — sobald die Nachttemperaturen dauerhaft unter 12 °C fallen. Wer jetzt im September prüft, ob die Heizung noch funktioniert, hat zwei Vorteile: Erstens sind Heizungsbauer noch erreichbar (im Oktober explodieren die Anfragen), zweitens können Ersatzteile bestellt werden, bevor es wirklich kalt wird.

In OWL sind viele Heizungen zwischen 15 und 25 Jahre alt — installiert in den späten 1990ern oder frühen 2000ern, als Gas-Brennwertkessel zum Standard wurden. Diese Anlagen sind technisch noch funktionsfähig, aber anfällig: Verschleißteile wie Umwälzpumpen, Ausdehnungsgefäße und Gasventile können jederzeit ausfallen. Gerade bei längeren Stillstandszeiten im Sommer (viele Anlagen laufen nur für Warmwasser) treten beim ersten Heizen im Herbst Probleme auf.

Diese 5 Checks sollten Sie im September durchführen

Nicht jeder Check erfordert einen Fachmann — einige Punkte können Eigentümer selbst prüfen:

1. Heizung testweise anschalten

Drehen Sie die Raumthermostate auf 22–24 °C und warten Sie 20–30 Minuten. Prüfen Sie:

  • Springt die Heizung an? Wenn nicht: Störungscode im Display notieren und Heizungsbauer rufen.
  • Werden alle Heizkörper warm? Wenn einzelne Heizkörper kalt bleiben: Entlüften (siehe unten).
  • Hören Sie ungewöhnliche Geräusche? Gluckern, Pfeifen oder Knacken deuten auf Luft im System oder defekte Ventile hin.

Wenn die Heizung gar nicht anspringt, prüfen Sie zuerst die Basics: Ist der Hauptschalter an? Ist der Wasserdruck im grünen Bereich (meist 1,2–1,8 bar)? Ist die Sicherung im Verteilerkasten intakt?

2. Wasserdruck prüfen und nachfüllen

Die meisten Heizungen haben ein Manometer (Druckanzeige). Der Zeiger sollte im grünen Bereich stehen (1,2–1,8 bar bei kalter Anlage). Wenn der Druck zu niedrig ist, schaltet die Heizung aus Sicherheitsgründen ab.

Wasser nachfüllen:

  1. Heizung ausschalten.
  2. Füllschlauch am KFE-Hahn (meist unter der Heizung) anschließen.
  3. Langsam öffnen, bis der Zeiger bei 1,5 bar steht.
  4. Schlauch abziehen, Hahn schließen, Heizung wieder einschalten.

Wenn Sie häufig nachfüllen müssen (mehr als 2× pro Jahr), liegt wahrscheinlich ein Leck vor — Heizungsbauer rufen.

Typisch für OWL: Alte Anlagen mit schlechter Druckhaltung

Viele Gas-Heizungen in Herford, Bielefeld und Gütersloh stammen aus den 1990ern und haben veraltete Ausdehnungsgefäße. Diese verlieren über die Sommermonate Druck. Ein neues Ausdehnungsgefäß kostet 150–300 € und verhindert, dass Sie alle paar Wochen nachfüllen müssen.

3. Heizkörper entlüften

Wenn einzelne Heizkörper oben kalt bleiben, obwohl das Thermostat aufgedreht ist, sitzt Luft im System. Entlüften geht so:

  1. Heizung einschalten, alle Thermostate aufdrehen, 10 Minuten warten.
  2. Mit Entlüftungsschlüssel (Baumarkt, 2 €) das Ventil am Heizkörper (oben, gegenüber dem Thermostat) vorsichtig öffnen.
  3. Luft zischt heraus, dann kommt Wasser — sofort schließen.
  4. Wasserdruck an der Heizung prüfen, bei Bedarf nachfüllen.

Wenn Sie jedes Jahr mehrere Heizkörper entlüften müssen, deutet das auf ein undichtes System hin (oft an Verschraubungen, Ventilen oder im Keller).

4. Thermostate prüfen

Alte mechanische Thermostate (20+ Jahre) klemmen oft, weil der Ventilstift festsitzt. Testen Sie:

  • Thermostat ganz aufdrehen, dann ganz zudrehen. Spüren Sie Widerstand? Wenn der Drehknopf schwergängig ist, kann das Ventil klemmen.
  • Ziehen Sie den Thermatkopf ab (meist per Clipverschluss oder Schraube). Drücken Sie mit einem Schraubendreher-Griff auf den Ventilstift (das kleine Metallstück, das herausragt). Er sollte leicht zurückfedern. Wenn er feststeckt: Thermatkopf tauschen (15–40 €) oder vom Heizungsbauer lösen lassen.

Moderne programmierbare Thermostate (z. B. Homematic, Tado, Eurotronic) verhindern das Problem — und sparen zusätzlich 5–10 % Heizkosten durch zeitgesteuerte Absenkung.

5. Abgasrohr und Schornstein prüfen

Wenn Ihr Schornsteinfeger in den letzten 12 Monaten Mängel angemerkt hat (Versottung, Rußablagerungen, Zugprobleme), sollten diese vor der Heizperiode behoben sein. Eine verschmutzte Abgasführung kann die Heizung außer Betrieb setzen — und im schlimmsten Fall Kohlenmonoxid in den Wohnraum leiten.

Prüfen Sie von außen: Ist das Abgasrohr frei? Keine Vogelnester, Laub oder Schnee (bei frühen Kälteeinbrüchen)? Bei Gas-Heizungen mit wandhängendem Abgas (weißes Rohr durch die Außenwand) sollte die Öffnung frei und der Kondensatablauf nicht verstopft sein.

Wann ist eine professionelle Wartung Pflicht?

Die meisten Hersteller schreiben eine jährliche Wartung vor — wer das ignoriert, riskiert den Garantieverlust. Eine Wartung kostet für Gas-Heizungen 150–250 €, für Öl-Heizungen 180–300 €. Dabei werden Brenner, Wärmetauscher, Düsen und Sicherheitsventile gereinigt, geprüft und eingestellt.

Faustregel:

  • Gas-Heizung: Wartung alle 1–2 Jahre (bei Anlagen über 10 Jahre: jährlich)
  • Öl-Heizung: Wartung jährlich (Ruß- und Ascheablagerungen sind intensiver)
  • Wärmepumpe: Wartung alle 2–3 Jahre (weniger Verschleiß, aber Filter und Kältemittel prüfen)

Wenn die Heizung älter als 15 Jahre ist und in den letzten 3 Jahren nicht gewartet wurde, sollten Sie das jetzt nachholen. Viele Ausfälle im Herbst hätten durch rechtzeitige Wartung verhindert werden können.

Was tun, wenn die Heizung ausfällt?

Trotz aller Vorsicht: Manchmal fällt die Heizung im ungünstigsten Moment aus. Hier die Schritte:

Schritt 1: Ursache eingrenzen

  • Display zeigt Fehlercode? Notieren Sie den Code und googeln Sie ihn zusammen mit dem Heizungsmodell (z. B. "Vaillant ecoTEC Fehler F28"). Oft finden Sie klare Hinweise.
  • Wasserdruck zu niedrig? Nachfüllen (siehe oben). Wenn der Druck nach 24 Stunden wieder sinkt: Leck im System, Notdienst rufen.
  • Keine Flamme, kein Brenner-Geräusch? Kann Gasventil, Zündung oder Sensor sein. Für Laien nicht zu reparieren — Heizungsbauer rufen.
  • Heizung läuft, aber Heizkörper bleiben kalt? Umwälzpumpe defekt oder Thermostatventile klemmen. Pumpe prüfen: Läuft sie? (Hand auflegen, Vibration spürbar?) Wenn nicht: Notdienst.

Schritt 2: Notdienst oder bis Montag warten?

Notdienste sind teuer — Anfahrt nachts/Wochenende oft 150–250 €, Stundensatz 100–150 € statt 60–80 €. Abwägen:

  • Rufen Sie sofort: Wenn Außentemperatur unter 5 °C fällt, kleine Kinder oder ältere Menschen im Haus sind, oder Frostgefahr für Leitungen besteht (ungedämmter Keller, Außenwasserleitungen).
  • Warten Sie bis Montag: Wenn es draußen noch 10–15 °C hat, Sie mobile Heizgeräte haben oder für 1–2 Nächte ausweichen können (Familie, Hotel).

Eigentümer in OWL können in Notfällen auch beim örtlichen Schornsteinfeger nachfragen — viele haben Kontakte zu Notdiensten mit kürzeren Anfahrtszeiten.

Schritt 3: Überbrückung organisieren

Wenn die Reparatur länger dauert (Ersatzteil muss bestellt werden), gibt es Überbrückungs-Lösungen:

  • Elektro-Heizlüfter: Für einzelne Räume, kurzfristig. Verbrauch 1,5–2,5 kW, bei 35 Cent/kWh also 50–90 Cent pro Stunde. Nicht als Dauerlösung geeignet.
  • Infrarot-Heizstrahler: Effizienter als Heizlüfter, wärmt gezielt Personen statt Raumluft. Gut für Wohn-/Schlafzimmer, schlecht für große Räume.
  • Öl-Radiatoren: Speichern Wärme, gleichmäßige Abgabe. Verbrauch ähnlich wie Heizlüfter, aber angenehmer.
  • Mobile Gasheizung (Camping-Heizung): Nur in gut belüfteten Räumen! Kohlenmonoxid-Gefahr. Nicht über Nacht laufen lassen.
Ein Eigentümer aus Gütersloh rief uns im Oktober 2025 an: Die 22 Jahre alte Gas-Heizung war ausgefallen (Gasventil defekt), Ersatzteil erst nach 5 Tagen lieferbar. Wir empfahlen: 2 Infrarot-Heizstrahler für Wohn- und Schlafzimmer (je 40 € Baumarkt), restliche Räume schließen, Außentemperatur war noch 12 °C. Stromkosten für 5 Tage: ca. 60 €. Die Alternative wäre ein Notdienst-Einbau eines Übergangs-Heizgeräts gewesen — Kosten 800 € plus Miete 150 € pro Tag.

Wann lohnt sich der Heizungstausch statt Reparatur?

Wenn eine größere Reparatur ansteht (Wärmetauscher defekt, Steuerung kaputt, Brenner muss getauscht werden), stellt sich die Frage: Reparieren oder austauschen?

Faustregel für OWL-Eigentümer:

Alter der HeizungReparaturkostenEmpfehlung
Unter 10 JahreBeliebigFast immer reparieren — Anlage ist noch effizient
10–15 JahreBis 1.500 €Reparieren — wenn danach 5+ Jahre Restlaufzeit realistisch sind
15–20 JahreBis 1.000 €Grenzfall — Wirtschaftlichkeit prüfen
Über 20 JahreÜber 800 €Meist Austausch wirtschaftlicher

Hinzu kommt: Seit der GEG-Novelle 2024 müssen neue Heizungen mindestens 65 % erneuerbare Energien nutzen (ab 2026 in Kommunen mit Wärmeplanung, ab 2028 flächendeckend in NRW). Wer jetzt noch eine Gas-Heizung repariert, die in 3–5 Jahren ohnehin getauscht werden muss, verschiebt das Problem nur.

Eine Wärmepumpe kostet für ein typisches Einfamilienhaus in OWL derzeit 18.000–28.000 € (inklusive Installation, hydraulischem Abgleich, evtl. Heizkörper-Anpassung). Die genaue Förderhöhe können wir in einer Energieberatung für Ihr Objekt berechnen. Viele Eigentümer kombinieren den Heizungstausch mit Dämmung (Fassade, Dach, Kellerdecke), um die Vorlauftemperatur zu senken — dann läuft die Wärmepumpe effizienter.

Versicherung: Wann zahlt sie bei Heizungsausfall?

Eine Wohngebäudeversicherung deckt Heizungsausfälle meist nur ab, wenn sie durch ein versichertes Ereignis verursacht wurden:

  • Leitungswasserschaden: Wenn ein Rohr platzt und die Heizungssteuerung durchnässt wird — dann zahlt die Versicherung oft Reparatur oder Ersatz.
  • Sturm oder Blitzschlag: Wenn die Heizung durch Überspannung ausfällt oder ein umgestürzter Baum das Abgasrohr beschädigt.
  • Einbruch/Vandalismus: Wenn die Heizung während eines Einbruchs beschädigt wird.

Normaler Verschleiß ist NICHT versichert. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann eine Heizungs-Wartungsversicherung abschließen (Kosten 150–300 € pro Jahr, deckt Wartung + Reparaturen bis zu einem Höchstbetrag).

So läuft der Heizungs-Check bei Baukompass-OWL ab

Wir bieten im September und Oktober ein Heizperioden-Check-Paket an:

  1. Vor-Ort-Inspektion (60–90 Minuten): Wir prüfen Heizung, Heizkörper, Thermostate, Wasserdruck, Umwälzpumpe, Sicherheitsventile.
  2. Funktionstest: Heizung wird testweise hochgefahren, alle Heizkörper werden auf gleichmäßige Erwärmung geprüft.
  3. Wartungs-Empfehlung: Wenn Verschleißteile auffällig sind, geben wir eine Einschätzung, ob Wartung jetzt sinnvoll ist oder noch bis Frühjahr warten kann.
  4. Modernisierungs-Beratung (optional): Falls die Heizung über 15 Jahre alt ist, berechnen wir, ob ein Tausch wirtschaftlich sinnvoll ist — inklusive Förderung, Amortisation und Einsparpotenzial.

Kosten: 120–180 € (inkl. Anfahrt innerhalb OWL). Bei Beauftragung einer Wartung oder Modernisierungs-Beratung wird der Check-Betrag angerechnet.

Häufige Fragen

Kann ich die Heizung selbst warten?

Einige Aufgaben (Entlüften, Wasserdruck prüfen, Thermostate tauschen) können Sie selbst erledigen. Aber: Die eigentliche Wartung (Brenner reinigen, Abgaswerte messen, Sicherheitsventile prüfen) erfordert Fachwissen und Messgeräte. Zudem erlischt bei selbst gewarteten Anlagen oft die Herstellergarantie. Unser Rat: Basis-Checks selbst, jährliche Wartung vom Fachmann.

Was kostet ein Heizungsausfall im Winter wirklich?

Neben den Reparaturkosten kommen oft versteckte Kosten hinzu: Notdienst-Zuschläge (150–300 €), Hotel-Übernachtung für die Familie (80–150 € pro Nacht), Stromkosten für mobile Heizgeräte (10–20 € pro Tag), im Extremfall Frostschäden an Wasserleitungen (Reparatur 500–2.000 €). Ein rechtzeitiger Check im September kostet 120–250 € — und verhindert oft einen Totalausfall.

Wie erkenne ich, ob meine Heizung bald ausfällt?

Warnsignale sind: Häufiges Nachfüllen von Wasser (mehr als 2× pro Jahr), ungewöhnliche Geräusche (Knacken, Pfeifen, Gluckern), Heizkörper werden ungleichmäßig warm, Heizung schaltet häufig ab und wieder an (Takten), steigender Gasverbrauch ohne erkennbaren Grund. Wenn Sie eines dieser Symptome bemerken: Heizungsbauer rufen, bevor die Anlage komplett ausfällt.