Warum Hitze und Trockenheit Risse verursachen
Längere Hitzeperioden ohne nennenswerten Niederschlag trocknen den Boden aus. Lehmhaltige Böden — in Teilen von Lippe, Herford und Minden-Lübbecke durchaus verbreitet — ziehen sich dabei zusammen. Das Fundament sackt minimal ab, und das Mauerwerk muss diese Bewegung ausgleichen. Besonders anfällig sind Altbauten mit starrem Mauerwerk aus Sandstein oder historischem Ziegel, wie sie am Teutoburger Wald oder in den Fachwerkkernen von Detmold und Bielefeld stehen.
Hinzu kommt: Auch moderne Gebäude reagieren. Wenn verschiedene Gebäudeteile unterschiedlich tief gegründet sind — etwa ein nachträglich angebauter Wintergarten oder eine Garage — können sich ungleiche Setzungen ergeben. Die Folge: Risse an den Übergängen.
Harmlose Haarrisse oder ernsthafte Schäden?
Nicht jeder Riss bedeutet Einsturzgefahr. Grob lässt sich unterscheiden:
- Haarrisse (< 0,2 mm): Oft nur in der Putzschicht, ästhetisch störend, bauphysikalisch meist unkritisch. Beobachtung genügt.
- Setzrisse (0,2–2 mm): Durchziehen die Putzschicht, verlaufen oft diagonal oder treppenförmig entlang der Mörtelfugen. Können auf ungleichmäßige Setzung hinweisen. Hier ist Vorsicht geboten.
- Klaffende Risse (> 2 mm, durchgehend): Verlaufen durch Ziegel oder Steine, manchmal über mehrere Geschosse. Deuten auf strukturelle Probleme hin — etwa mangelnde Gründung, Wasserschaden im Fundament oder Hangrutschung.
In OWL gibt es zudem das Thema Fachwerk: Risse zwischen Holz und Gefach oder in den Lehmausfachungen sind oft jahrzehntealte Bewegungen. Trotzdem sollten sie dokumentiert und bewertet werden, bevor größere Sanierungen anstehen.
Wann ein Sachverständiger die richtige Entscheidung ist
Ein Sachverständiger für Schäden an Gebäuden bringt Messinstrumente, Erfahrung und eine neutrale Perspektive mit. Sinnvoll ist die Beauftragung in folgenden Fällen:
- Risse wachsen sichtbar: Wenn Sie einen Riss im Frühjahr entdeckt haben und er im Sommer breiter geworden ist, deutet das auf aktive Bewegung hin.
- Mehrere Risse im gleichen Bereich: Ein einzelner Haarriss ist eine Sache — ein Netz aus Rissen in einer Außenwand oder Kellerecke eine andere.
- Risse nach Starkregen oder Hitzeperiode: Wenn der Riss unmittelbar nach einem extremen Wetterereignis auftritt, kann eine Ursache im Fundament oder in der Drainage liegen.
- Vor größeren Umbaumaßnahmen: Wer einen Anbau plant oder eine Geschossaufstockung, sollte vorher klären, ob das Bestandsmauerwerk stabil genug ist. Ein Riss kann ein Warnsignal sein.
- Bei Immobilienverkauf oder Erbschaft: Unklare Risse schrecken Käufer ab oder führen zu Nachverhandlungen. Ein Gutachten schafft Klarheit und Vertrauen.
Praxis-Tipp für Eigentümer in OWL
Dokumentieren Sie Risse mit Foto, Datum und einer Münze als Größenvergleich. Kleben Sie ein Gipsplättchen oder ein Stück Klebeband über den Riss und markieren Sie die Enden mit Datum. Reißt das Plättchen in den nächsten Wochen, ist der Riss aktiv — und Sie haben eine erste Indikation für den Sachverständigen. Das spart Zeit und Kosten bei der Bestandsaufnahme.
Ablauf einer Riss-Begutachtung
Eine typische Begutachtung durch einen Sachverständigen läuft in mehreren Schritten ab:
- Vor-Ort-Termin: Gemeinsam werden alle Risse dokumentiert, fotografiert und vermessen. Der Sachverständige prüft auch die Umgebung: Gibt es Hanglagen, Bäume mit tiefen Wurzeln, schadhafte Regenrinnen?
- Material- und Feuchtigkeitsprüfung: Oft wird mit Feuchtigkeitsmessgeräten geprüft, ob Wasser eine Rolle spielt — etwa aufsteigende Feuchtigkeit im Keller oder ein undichtes Fallrohr.
- Rissverlauf kartieren: Der Verlauf gibt Hinweise auf die Ursache: Setzrisse verlaufen meist diagonal, Temperaturrisse eher horizontal entlang der Geschossdecken.
- Gutachten mit Handlungsempfehlung: Sie erhalten eine schriftliche Bewertung: Ist der Riss harmlos, beobachtungswürdig oder sanierungsbedürftig? Welche Maßnahmen sind sinnvoll — von "Riss verfüllen und beobachten" bis "Fundament nachträglich verstärken"?
In OWL arbeiten viele Sachverständige eng mit Statikern und Bauingenieuren zusammen. Falls die Prüfung ergibt, dass tiefergehende Maßnahmen nötig sind, kann direkt der nächste Schritt eingeleitet werden.
Häufige Fragen
Übernimmt die Versicherung die Kosten für ein Gutachten?
Das hängt von der Ursache ab. Wenn der Riss durch ein versichertes Ereignis entstanden ist — etwa Leitungswasserschaden, Sturm oder Überschwemmung — zahlt meist die Gebäudeversicherung. Risse durch normale Setzung oder Alterung sind in der Regel nicht versichert. Ein kurzer Anruf bei der Versicherung vor der Beauftragung klärt, ob eine Kostenübernahme möglich ist.
Kann ich als Eigentümer selbst etwas tun, bevor der Sachverständige kommt?
Ja: Dokumentieren Sie den Ist-Zustand mit Fotos und Datum. Prüfen Sie, ob der Riss feucht ist oder bröckeliges Material austritt. Beobachten Sie, ob sich Türen oder Fenster in der Nähe schwerer öffnen lassen — das kann ein Hinweis auf Verzug sein. Aber: Bohren, stemmen oder verfüllen Sie nichts selbst, solange die Ursache unklar ist. Sie könnten Spuren verwischen, die für die Begutachtung wichtig sind.
Wie lange dauert es, bis ein Gutachten vorliegt?
Ein einfaches Riss-Gutachten liegt oft innerhalb von einer bis zwei Wochen vor, nachdem der Vor-Ort-Termin stattgefunden hat. Falls weitergehende Untersuchungen nötig sind — etwa Bodenproben, Bohrungen oder eine statische Berechnung — kann es drei bis vier Wochen dauern. In der Hochsaison im Herbst, wenn viele Eigentümer Schäden aus dem Sommer klären lassen, können die Wartezeiten länger sein. Frühzeitige Terminvereinbarung ist empfehlenswert.